Die Schweißarbeit

Anregung zur Einarbeitung

 

In den letzten Jahren haben sich die Revierverhältnisse zunehmend geändert. Niederwild ist in vielen traditionellen Hasenrevieren nur noch in begrenzten Mengen vorzufinden. Rebhühner werden in den meisten Feldrevieren kaum noch bejagt, die Hasenstrecken werden immer kleiner, Fasane sind vielerorts nur mehr in geringer Stückzahl auf der Strecke zu finden. Kein Vergleich zu früher, wo hohe Herbstjagdstrecken selbstverständlich waren.

Bei Waldtreibjagden werden immer häufiger hochläufige Jagdhunde abgelehnt und vermehrt durch weitjagende Stöberhunde ersetzt. Auf der Suche nach Betätigungsfeldern für unsere Dachshunde, gewinnt eine Aufgabe immer mehr an Bedeutung. Es ist das weite Feld der Nachsuchen. Nachsuchen oder Schweißarbeit wird immer noch mit den bekannten Rassen wie BGS, Hannoverscher Schweißhund und Bracken verbunden. Das auch unser kurzläufiger Dackel hervorragend auf der Wundfährte arbeitet, hat sich noch nicht ausreichend herumgesprochen. Unsere Dachshunde unterscheiden sich vorwiegend durch Ruhe und Konzentrationsfähigkeit von anderen Jagdhunderassen am langen Riemen.

Achtung:

Übermäßiger Ehrgeiz tut selten gut!

Jener Hund, der auf Schweißfährten sehr gut arbeiten soll, muss bestimmte anlagebedingte Voraussetzungen mitbringen. Hierzu gehören Ausdauer auf der Spur, Konzentrationsfähigkeit, Ruhe und eine gehörige Portion Wildschärfe. Das heißt nicht, dass der Hund einer sich stellenden Sau ins Gebräch springen oder sich an einen Keiler verbeißen muss. Eine derartige Überschärfe ist überaus gefährlich und bedeutet für den Hund Lebensgefahr. Es ist ausreichend, wenn der Hund den Schweißführer an das Stück bringt und das Wild durch Bellen halten kann. Er soll in der Lage sein, krankes Reh-,

geringes Rot-, Dam- oder Sikawild zu folgen, stellen und schließlich nieder zu ziehen. Ein für die Schweißarbeit auszubildender Jagdhund muss Spurlaut sein, da nur ein lauter Hund bei notwendigen Wildfolge akustisch vom Führer verfolgt werden kann um einen Fangschuss anzubringen. Um schwere Schweißarbeiten zu bewältigen, muss der Hund konsequent auf diese Arbeit eingestellt werden. Passioniertes Stöbern oder unkontrolliertes Wildfolgen

zerstört die wichtige Konzentration. Ein Fehlen der Konzentration verbunden mit viel Vorwärtsdrang mag gelegentlich ans Ziel führen ist aber kein Garant. In der Regel verliert er jedoch die Schweissfährte und wechselt auf „interessantere“ Fährten über, ohne sich wieder auf die ursprüngliche Wundfährte „ein zu bögeln“. Die Witterung dieser wird schlicht  vergessen.

 

Bei der Einarbeitung sollten Sie vier Grundsätze immer berücksichtigen:

Arbeiten Sie Ihren Hund auf der künstlichen Schweißfährte immer in hungrigem Zustand ein. Am Ende muss die Triebbefriedigung „Fressen“ stehen. Sie brauchen keine Angst zu haben, dass Sie hierdurch einen Anschneider produzieren. Der Hund bekommt als Belohnung die Nahrung kontrolliert aus Ihrer Hand. Das Gleiche gilt natürlich auch bei Naturnachsuchen. Am Ende muss nach erfolgreicher Arbeit das „Genossen machen“ stehen.

 

Vor und während der Schweißarbeit müssen Sie Ihrem Hund, je nach Außentemperatur, soviel Wasser geben wie er aufnehmen möchte. Lassen Sie ihn dabei Ablegen und geben ihm die Möglichkeit, sich zu sammeln. Zwingen Sie sich selbst, auch bei der Einarbeitung neben ihm zu sitzen und mindestens fünf Minuten zu warten, bis Sie die Arbeit beginnen. Diese Wartezeit trainieren Sie ganz bewusst ein. Sie glauben gar nicht, wie lange einige Minuten sein können, wenn man selbst nervös ist und möglichst bald wissen will, ob das Gespann die richtige Fährte ausarbeitet und das gesuchte Stück findet. Zwingen Sie ihren Hund zu einer langsamen Gangart. Der Hund soll gut im Riemen liegen das Tempo aber bestimmen Sie.

Arbeiten Sie nicht zu viele Schweißfährten! Maximal eine Übungsfährte pro Woche soll zur Auffrischung und Festigung dienen. Lernen Sie sich für den Hund sichtbar zu freuen. Zeigen Sie niemals Wut oder Enttäuschung bei einer missglückten Nachsuche und vor allem strafen Sie Ihren Hund niemals bei der Schweißarbeit.

 

Anlegen einer Schweißfährte

Für das Legen einer Schweißfährte besorgen Sie sich Wildschweiß, -haupt, -herz, -pansen, -schnitthaare, usw.

Bereits bei den ersten Fährten legen sie Wundbetten und Verweiserpunkte an. Hierzu scharren Sie das Laub bzw. den Waldboden ein kleines Stück frei, treten den Boden etwas fest und tropfen hier verstärkt Schweiß. Auch Schnitthaare in den Wundbetten vermag eine realistische Nachsuche simulieren.

Als Abschluss legen Sie am Ende der Fährte ein Stück Pansen oder eine getrocknete Wilddecke sichtbar ab. Anschließend gehen Sie in weitem Bogen zurück, ohne die Fährte zu kreuzen.

Nach etwa 2 - 4 Stunden führen Sie Ihrem Hund an den „Anschuss“. Hier lautet ihr Befehl: Sitz, Halt oder Platz. Anschließend docken Sie den Schweißriemen langsam und sorgfältig ab und legen die Schweißhalsung ihrem Hund an. Danach begeben Sie sich, für den Hund gut sichtbar, an den Beginn der verbrochenen Schweißfährte – dem Anschuss. Untersuchen ganz genau diesen „Anschuss“, denn beim Hund muss die Spannung und

Neugierde steigen. Schließlich holen Sie Ihren Vierbeiner ab, zeigen ihm ganz ruhig den mit Schweiß benetzten Anschuss und fordern ihn mit den Worten „such verwund“ zur Arbeit auf. Sie werden sich wundern, wie interessiert Ihr Hund den Fährtenverlauf annimmt und schließlich mit tiefer Nase zum Suchen beginnt.

 

Während der Arbeit gibt es für Sie vier wichtige Vokabeln, die Sie künftig immer auf die gleiche Weise gebrauchen.

- Sollte sich Ihr Hund von der Fährte entfernen, so fordern Sie angemessen: „zur Fährte“,

- wenn Ihr Hund den Fährtenverlauf wieder findet: „so ist es recht, such verwund“,

- wenn Ihr Hund stehen bleibt und etwas verweist: „lass sehen Hund“, „so ist brav“.

 

Dieses Ritual müssen Sie sich einprägen und immer auf die gleiche Weise vorgehen. Am Ende der Fährte findet der Hund die Wilddecke mit Futterbrocken und befriedigt damit den Trieb „Fressen“. Seine Anlage und seine ersten Erfahrungen sind die entscheidenden Voraussetzungen. Wichtig ist, dass wir bei den Arbeiten auf der Fährte dem Hund wohldosierte Erfolgserlebnisse vermitteln. Dazu gehört die Befriedigung des Beute- und Greiftriebes, aber auch die Annehmlichkeit mit Belohnungshappen und begeistertes Abliebeln durch den Führer, wenn der Hund erfolgreich am Stück ankommt.

 

Dieses Grundprinzip behalten Sie von nun an strikt ein!

Jede Arbeit als Gespann, die Ihnen als Mensch lächerlich einfach vorkommt, oder die x-te Übungsfährte für Ihren Hund, sie hat die gleiche Wertigkeit, als eine schwierige Nachsuche oder anspruchsvolle Prüfung auf einer Verbandsschweißprüfung. Sie müssen immer das gleiche Ritual ablaufen lassen, immer mit der gleichen Ruhe und bewusster Gelassenheit arbeiten!

Wenn nach Festigung der ersten Schweißarbeits-Schritte auch Übernachtfährten angelegt werden, können Sie feststellen, dass in der Nacht gerne Füchse „auf ihrer Schweißfährte“ unterwegs sind. Da am Ende der Fährte eine getrocknete Wilddecke liegt unter der sich ein gefüllter Futternapf befindet rate ich an, diesen erst am Morgen des Folgetages zu platzieren. Hat der Hund einmal verknüpft, dass der „Superkraftstoff“ Erfolg, unterwegs mit Erlebnisse wie

Wundbett, Schnitthaar etc. bestückt ist, am Ende der Fährte Nahrung und Happen warten, so wird er begeistert vorwärtsstreben, um zum „Stück“ zu gelangen. Sie als Führer brauchen nur noch die Länge der Fährte zu vergrößern, die Stehzeit zu erhöhen und gleichzeitig immer weniger Schweiß einzusetzen, um schließlich einen Hund zu bekommen, der auch unter schwierigsten Bedingungen in der Lage ist, dieser Duftspur zu folgen, ohne sich durch andere Verleitungen abbringen zu lassen.

Bei jedem mir bekannten Hund kam es früher oder später zu einer Situation, wo der Führer seinen Hund nicht wiedererkannte. Der Hund zeigt dann, als könne er plötzlich nicht mehr riechen oder es gäbe gar keine interessante Duftspur, die er verfolgen kann.

Was ist passiert?

Der Hund ist in den meisten Fällen überarbeitet. Ihn ödet diese mit hoher Konzentration verbundene Arbeit an. Jetzt ist Ihre Fantasie als Gespannführer gefragt, Ihrem Hund die Arbeit am langen Riemen wieder schmackhaft zu machen. Meist reicht schon eine Pause von 4 Wochen, um den Vierbeiner neugierig auf weitere Herausforderung zu machen. Zum Abschluss möchte ich Sie noch auf einen zutreffenden Spruch aufmerksam machen:

 

„Schweißarbeit ist Fleißarbeit“.

Bei der Schweißarbeit handelt es sich um Teamarbeit. Nicht nur der Hund muss lernen, sondern vor allem Sie als Führer müssen die Verhaltensweise Ihres Hundes zu interpretieren wissen. Beobachten Sie also genau, wie sich die Arbeitsweise des vierbeinigen Partners ändert, wenn er auf der Wundfährte arbeitet, oder einer Verleitung folgt. Prägen Sie sich genau ein, wie er den Kopf hält, den Wind prüft, seine Geschwindigkeit ändert und seine Rute bewegt. Diese Bilder sprechen Bände – Sie müssen diese Sprache lernen und verstehen!

 

Es reicht nicht, dem Hund zu folgen und selbst Schweißtropfen zu suchen. Sie sollen vielmehr die Verhaltensweise ihres Hundes genau beobachten, um bei Fehlverhalten auf ihn mit immer wieder eingeübten Worten einzuwirken. Hierzu ist es notwendig, vor und nach gründlicher Einarbeitung die Schweißfährten von fremden Personen legen zu lassen. Der Fährtenverlauf darf dem Hundeführer nicht bekannt sein. Erst auf diese Weise können Sie überprüfen, ob Sie die Körpersprache Ihres Teamkameraden – dem Dackel am langen Riemen - verstehen.

 

Weidmannsheil 



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